Altbewährt, nicht altbacken

KerbFeuerwehr

Kinsteerer Kerweborsch beim Nachkerwefrühschoppen 2017 / Foto: Vollformat/Frank Möllenberg

RÜSSELSHEIM - „Wunderbar“, fasste Kerwevadder Philipp Hummel die Stimmung auf der diesjährigen „Kinsteerer Kerb“ zusammen, und „wunderbar“ war sie in der Tat auch am Samstag, als die Band „Daddy-L“ den Kaisersaal unter dem Motto „Rock den Saal“ aus den Angeln hob. Einmal mehr bewiesen die Kerweborsch, dass sie mit dem Festprogramm, das sich bereits in der Vergangenheit bewährt hatte, das richtige Händchen hatten, denn altbewährt heißt nicht gleich altbacken, wie zahlreiche Besucher feststellten.Bei der sogenannten „Nachkerb“, die in Rüsselsheims Stadtteil am Wochenende stattfand, war das Phänomen „Alt feiert mit Jung“ erneut zu beobachten, wobei dies sicherlich nicht nur auf die Kerweborsch und die „Ex“ zutraf. Auch wenn während der Woche die Buden auf dem Bismarckplatz ihre Läden geschlossen hatten und nach dem vergangenen Kerbewochenende ein wenig Ruhe einzog, so hieß das jedoch nicht, dass sich die Kerweborsch auf ihren Lorbeeren ausruhten.„Am Donnerstag besichtigten wir eine Brauerei und am Freitag wurden wir von „Krone“-Wirt Mitko bekocht, der uns mit Rinderrouladen, Gulasch und Schnitzel verwöhnt hat“, gab Kerwevadder Philipp Hummel den Bericht. Bis weit nach Mitternacht tobte im Kaisersaal das Leben, oder wie man in Königstädten passenderweise sagen könnte „der Bär“, als die Rüsselsheimer Band „Daddy-L“ Rockklassiker der vergangenen Jahrzehnte zum Besten gab und die feiernde Meute zum Kochen brachte. „Das ist der Wahnsinn hier und es ist echt schade, dass nur einmal im Jahr Kerb in Kinsteere ist“, sagte die 36-jährige Nadia, die sich schon am Samstagabend auf den Frühschoppen am Sonntag freute.Doch nicht nur die Band begeisterte, auch die Tombola, die fester Bestandteil der Kinsteerer Kerb ist, sorgte für viel Spaß und Begeisterung, wobei bereits nach rund zwanzig Minuten die rund 500 Lose verkauft waren, wie Philipp Hummel erzählte. Zu allerlei Nützlichem, das nicht nur von der Königstädter Bevölkerung, sondern auch den Gewerbetreibenden des Stadtteils gespendet wurde, gesellte sich bei den Preisen auch viel Dekoratives. „Wenn Männer in Rammstein-T-Shirts Weihnachtsschmuck an den Ohren hängen haben, dann ist Kerb in Kinsteere“, wurde da gefrotzelt, während sich andere über zehn Gewinne bei zehn Losen freuten. Dass auch nach dem sonntäglichen Nachkerwe-Frühschoppen, zumindest für die Kerweborsch, nicht Schluss ist, bestätigte der Kerwevadder. „Eine Woche nach der Nachkerb wird die Kerb beerdigt und der Kerwebaum gelegt“, so Hummel im Gespräch.

Von der Tradition, den Baum an den Gewinner der Tombola zu übergeben, sei man jedoch abgekommen. Vielmehr wird das über 22 Meter hohe Prachtstück „verfressen“, das heißt, an einen Interessenten abgegeben, der den Kerweborsch dann einen „geselligen Abend“ spendiert. In diesem Jahr gehe der Baum an Pfarrer Thomas Siegenthaler, der das Holz dann für seine Sauna nutze, erzählte Philipp Hummel.